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Frei nach dem mongolischen Leitspruch "Wenn alle hinken, meint jeder, er gehe richtig" versuchen wir im ITMR uns eine von etablierten Techniken unabhängige Meinung zu erhalten, bzw. neu zu erarbeiten. Bezüglich der Cranio-Mandibulären Dysfunktion (CMD) gibt es viele Dogmen in der Zahnheilkunde, die im Licht des wachsenden Detailwissens überdacht, verändert oder gar ersetzt werden müssen, und das kann sich bis in handwerkliche Details auswirken.

Im Lichte der Gnathologie betrachtet, wie sie das ITMR Anfang der 70-er Jahre in Form von Aufwachskursen mit Prof. Lundeen und Axiographiekursen mit Dr. Bob Lee mit in Deutschland eingeführt hat, ging man ursprünglich davon aus, dass die Kiefergelenke und deren Scharnierachse eine unverrückbare Referenz zur Rekonstruktion des okklusalen Systems bildeten. Seit Dr. W. B. Farrar, der ebenfalls für das ITMR das erste Mal in Deutschland vortrug, wissen wir jedoch, dass es im Kiefergelenk zu gravierenden Veränderungen in Bezug auf Form, Position und Lage kommen kann. Zunächst sah man daher die CMD primär als Abweichung der Position der Kondylen, bzw. deren Scharnierachse, von einer postulierten Idealposition. Die Therapie der CMD fokusierte daher auch auf die kinematische Bestimmung der "richtigen" Scharnierachse, bzw. die Korrektur einer "falschen" Lage dieser Achse. Die Arbeitsabläufe waren daher auch von der akribischen Bestimmung der Scharnierachse, der achsenbezüglichen Modellübertragung in einen volladjustierbaren Artikulator (im Falle des ITMR mit Stuart- und Panadent Artikulatoren mit individuellen Kondylboxen nach Lee), sowie pantografischen Aufzeichnungen der Kondylbewegungen, bestimmt.

In den 80-er Jahren war aber bereits klar geworden, dass man das stomatognathe System nicht länger losgelöst vom restlichen Körper betrachten kann. Es folgte eine Phase der kinesiologischen Bisslagenbestimmung, in der man versuchte, die Bisslage an das Reflexverhalten des Körpers anzupassen.

Seit der Rückkehr von Rainer Schöttl aus den USA 1985 erfolgte im ITMR dann der Neuanfang mit der myozentrischen Technik, mit der die Bisslage gezielt so gewählt wird, dass das neuromuskuläre System leicht entspannen kann, gleichzeitig aber auch maximal funktionsfähig ist. Schnell stellte sich heraus, dass man mit diesem Verfahren auch, zunächst ungewollt und ungezielt, später dann aber immer dezidierter, positive Reflexe auf die Körperhaltung freisetzt, so dass z. B. Nackenschmerzen plötzlich zu einem durch Aufbisstherapie behandelbaren Symptom wurde. Heute stellt die Myozentrik eine simple, kostengünstige, leicht erlernbare und sehr effiziente Methode dar, um neuromuskuläre Stellungsfehler des Unterkiefers effizient aufzudecken und zu therapieren. Da hierfür ausschließlich das körpereigene neuromuskuläre System des Patienten herangezogen wird, keinerlei Dogmen oder Erwartungen bezüglich einer idealen Gelenkposition seitens des Behandlers einfließen, jedwede Manipulation oder Forcierung des Unterkiefers unterbleibt und die Registrierung ausschließlich bei aufrechter physiologischer Körperhaltung erfolgt, ist auch das Risiko, lediglich einen Stellungsfehler durch einen anderen zu ersetzen, außerordentlich gering.

Die handwerkliche Seite beginnt bei der Einstellung des Oberkiefermodell im Artikulator. Hier stellt sich bereits die Frage, welche Übertragungsmethode welche Fehler in der Praxis auslösen kann. Zur Übertragung mittels arbiträrem Gesichtsbogen, zum Beispiel, wurde in der Literatur vielfach berichtet, dass dies im Vergleich zur Übertragung nach der kinematisch ermittelten Scharnierachse mit keinen nennenswerten Einbußen an Präzision bei der Seitbewegung der Modelle einhergeht. Es wurde aber nicht untersucht, welche Abweichungen der Modellposition sich zur Frankfurter Horizontalen, und damit zu ermittelten Gelenkbahnwerten, ergeben, und auch nicht, welche Fehler im Artikulator beim Heben und Senken auftreten können, und ebenso wenig, wie sich dies auf eine physiologische Ausrichtung der Kauebene zum Schädel auswirken würde.

Schon bei diesem alltäglichem Vorgang der Modelleinstellung im Artikulator kann es zu Problemen kommen, die sich letzten Endes in hartnäckigen Fehlern ausdrücken, die das Endresultat beeinträchtigen. Daher ist dieses Thema einen eigenen 1 1/2 -Tageskurs wert, in dem wir diese Fragestellungen praktisch erkunden. Näher zu diesem Thema einlesen können Sie sich in dieser PDF-Datei (294 KB). Literaturstellen dazu finden Sie hier.

Hat man das OK-Modell eingestellt, so stellt sich die Frage nach der Orientierung des UK-Modells. Eine gelenkbezogene Orientierung, wie sie gewöhnlich vorgenommen wird, mag hier durchaus sinnig sein, aber nur, wenn die Gelenke auch gesund sind. So ist es nicht schwer zu verstehen, dass sich ein Gelenk, z. B. bei einem verlagertem Diskus, bei einer manuellen Führung völlig anders positioniert, als dies der Fall wäre, wenn der Diskus seinen ihm zugedachten Raum noch einnehmen würde. Liegt hier eine asymmetrische Pathologie vor, so wird der Unterkiefer des Patienten auch leicht einmal aus seiner Mittenstellung herausgeführt und es kommt zu einer Unstimmigkeit der Schneidezahnmitten, zu einer ungünstigen Verzahnung der Eckzähne, etc.

Es zeigt sich auch, dass die Kaumuskulatur in unterschiedlichen Kieferpositionen unterschiedlich gut arbeiten kann. Eine Einstellung des UK so, dass es zur bestmöglichen Muskelfunktion kommt, scheint hier erstrebenswert. Dies kann man auch leicht an sich selbst ausprobieren: Man lege die Finger über dem M. masseter (p. superf.) an die Wange und beiße die Zähne zusammen. Bei unterschiedlichen Kieferpositionen wird man eine unterschiedliche Kontraktion dieser Muskeln ertasten können, bis hin zu gar keiner tastbaren Funktion.

Schließlich gibt es auch noch reflektorische Wechselspiele zwischen der Haltung des Unterkiefers und der des Kopfes. Speziell die Muskeln der oberen HWS korrelieren hier viel mit der Kaumuskulatur. Bei bestimmten Kieferbewegungen kann man zum Beispiel auch Muskelkontraktionen bei der oberen HWS ertasten. Eigentlich ist es auch nicht verwunderlich, dass der Kopf bei der kraftvollen Bewegung des Unterkiefers zwischen Sternum und Kranium entsprechend stabilisiert werden muss.

Diese Gedanken führen hin zu den Konzepten der Myozentrik und der Cranio-Mandibulären Orthopädie, die zum Fundament der im ITMR vermittelten neuromuskulären Funktionslehre gehören. Springen Sie zu den Fortbildungskursen oder zu Literaturstellen durch Klicken der entsprechenden Hyperlinks.

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Copyright: Institut für Temporo-Mandibuläre Regulation, 1999. Letzte Revision: 27. August 2006.
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